Kabelloses CarPlay und Android Auto? Der Ottocast U2-X im Test

Mit dem Ottocast U2-X kannst du sowohl dein Andorid-Smartphone, als auch dein iPhone drahtlos mit deinem Auto verbinden. Wir haben den Dongle getestet.
Der Ottocast U2-X auf der Mittelkonsole

Apples CarPlay und Android Auto wurden seit 2014 von nahezu allen Autoherstellern implementiert. Zunächst gab es aber nur die “klassische” Variante, bei der das Smartphone via USB-Kabel am Auto angeschlossen werden muss. Erst ab 2019 wurden erste Autos mit Support für drahtloses CarPlay und Android Auto ausgeliefert.

Aktuell gibt es also eine Menge Autos, die CarPlay und Android Auto zwar unterstützen, aber nur kabelgebunden. In diesen Fahrzeugen ist es relativ einfach, mit einem Adapter eine drahtlose Lösung nachzurüsten. Bisher musste man sich aber zwischen einem Adapter für Android oder für das iPhone entscheiden. Eine Lösung, die mit beidem kommuniziert, gab es bis vor kurzem nicht.

Das chinesische Startup “Ottocast” möchte das mit dem U2-X ändern. Dieser Dongle hat nämlich den Vorteil, dass er sowohl mit Android, als auch mit iOS zusammenarbeitet. Wie gut das in der Praxis funktioniert, erfährst du in diesem Review.

Der Ottocast U2-X im Test

Hinweis: Der Ottocast U2-X wurde für diesen Test vom Hersteller kostenlos zur Verfügung gestellt. Ottocast hat keinerlei Einfluss auf Inhalt oder Fazit dieses Tests.
Für dieses Review wurde der Ottocast U2-X in einem Opel Astra 2018 getestet. Sowohl die Firmware des Infotainment-Systems, als auch die des Dongles war zum Testzeitpunkt aktuell.

Die Hardware

Der Ottocast U2-X macht einen soliden ersten Eindruck. Das Plastikgehäuse ist gut verarbeitet und fühlt sich robust an. Auch die beiden USB-Ports (USB-A und USB-C) bieten einen guten Halt.
Für einen stabilen Betrieb sorgt der verbaute ARM Cortex 53, der auf zwei Kernen mit 1,2 GHz taktet.
Mit einer Größe von 84 * 47 * 14 Millimetern fällt das Gerät im Auto nicht sonderlich auf. In meinem Privat-PKW – einem Opel Astra 2018 – verschwindet das Gerät problemlos in der Armlehne, wo sich der USB-Port befindet. Die mitgelieferten Kabel (USB-A auf USB-C und beidseitig USB-C) sind kurz und verhindern damit “Kabelsalat”.

Ottocast U2-X in der Armlehne verstaut

Installation und Handhabung

Abfrage, ob CarPlay mit diesem Gerät verwendet werden soll
CarPlay-Einrichtung am iPhone

Mit der mitgelieferten englisch-sprachigen Anleitung ist die Einrichtung des U2-X schnell erledigt.
Die Kurzfassung: Das Gerät muss an den USB-Port eines CarPlay- beziehungsweise Android Auto-fähigen Fahrzeuges angesteckt werden. Nach einer kurzen Wartezeit erkennt das Auto den Dongle und es erscheint der “Startbildschirm” des U2-X. Hier kannst du einstellen, ob du Android Auto oder CarPlay verwenden möchtest.
Danach musst du dein Smartphone via Bluetooth mit dem Dongle verbinden. Sowohl iPhones, als auch Android-Smartphones sollten danach sofort fragen, ob das Gerät mit CarPlay oder Android Auto verbunden wird. Danach ist der Dongle einsatzbereit.

Der Ottocast U2-X in Action

Der Praxistest des Ottocast U2-X fällt eher gemischt aus: Grundsätzlich funktioniert der Dongle in allen getesteten Autos, mit meinem Astra gab es regelmäßig nach ca. 5 Minuten Probleme mit dem Ton. Dieses Problem könnte man vermutlich mit einem Firmware-Update lösen, bisher ist das aber nicht passiert. Mehr dazu weiter unten.
In einem kürzerem Test mit dem Kia Ceed (2017) trat dieses Problem nicht auf. Hier funktionierte alles wie erwartet.

Abgesehen von diesem Problem gibt es keine großen Kritikpunkte: Sobald du dein Auto startest, verbindet sich der U2-X automatisch mit deinem Smartphone. Manchmal dauert das zwar bis zu 30 Sekunden, hat in diesem Test aber immer zuverlässig funktioniert.
Die Steuerung über die Medien-Buttons oder über die Lenkradfernbedienung funktioniert wie erwartet. Navigation, Musik hören, Telefonieren und digitale Assistenten funktionierten im Test ebenso einwandfrei (bis auf das oben erwähnte Audio-Problem).

Auch der Wechsel zwischen Android und iPhone bereitete keine Schwierigkeiten. Wenn kein Smartphone verbunden ist, kann man auf dem “Startbildschirm” mit einem Doppelklick zwischen den Plattformen wechseln.

Preis- Leitung?

Der U2-X ist sicherlich kein billiges Gadget. 1329 Honkong-Dollar will Ottocast für den Dongle sehen – das sind umgerechnet ungefähr 160 Euro. Konkurrenzprodukte sind auf Amazon definitiv günstiger zu haben, unterstützen dann aber nicht beide Standards: CarPlay und Android Auto.
Allerdings gibt es immer wieder Rabatte, sodass du den U2-X auch günstiger abstauben kannst.

Aktuell kann der U2-X nur über die Indiegogo-Kampagne von Ottocast bestellt werden. Der Versand erfolgt in aus Hong Kong. In meinem Fall wurde kein Zoll, Einfuhrumsatzsteuer oder ähnliches fällig. Zusätzliche Kosten dieser Art sind aber nicht auszuschließen.

Ein Negativbeispiel: Der Ottocast Support

Natürlich ist es im Idealfall gar nicht nötig, den Support zu kontaktieren. Trotzdem ist (oder wäre) es gut zu wissen, dass technische Probleme auch wirklich behoben und nicht nur ignoriert wurden. In diesem Test hatte ich regelmäßige Probleme mit einem Rauschen in der Tonübertragung – ein perfekter Grund also, den Support zu kontaktieren.

Ottocast wickelt den Support via WhatsApp ab. Ich wurde gebeten, über WhatsApp eine chinesische Nummer anzuschreiben und das Problem (auf englisch) näher zu beschreiben. Nachdem zusätzlich noch ein Video und Logfiles vom UX-2 übermittelt wurden, machte sich der Ottocast-Support an die Arbeit.

Nachdem das Problem übermittelt wurde, dauerte es nicht lang bis zur ersten Rückmeldung: Es sein ein Firmware-Problem und werde mit einem künftigen Update behoben. Die versprochene Aktualisierung lässt bis heute auf sich warten – trotz mehrmaligen Nachfragen. Für mich ist das Gerät damit nicht brauchbar – Musik-Streaming ist heutzutage auch im Auto kein Luxus mehr.

Der unterdurchschnittliche Support ist ein echtes Manko. Dass bei einem relativ frischen Produkt noch kleine Fehler auftauchen, kann durchaus passieren. Nur sollte sich der Hersteller darum annehmen, anstatt die Kundschaft mit leeren Versprechen abzuwimmeln.

Das Fazit

Nach mehreren Wochen mit dem Dongle ist es nun Zeit für ein Fazit.

Wenn der Ottocast U2-X mit dem vorhandenen Infotainment-System zusammenarbeitet, ist die Nutzung unkompliziert und durchwegs angenehm. Einfach einsteigen zu können und Zugriff auf sämtliche Smartphone-Features nutzen zu können, ist definitiv ein Komfort, den ich so schnell nicht mehr hergeben möchte.
Der Ottocast U2-X ist eigentlich das perfekte Zubehör für ein gemeinsames Auto, wenn sowohl Android- als auch iOS-Nutzer damit fahren wollen. Das ist aber eigentlich der einzige sinnvolle Anwendungsbereich, denn: Drahtlose Lösungen, die nur Android oder nur iOS unterstützen, findet man wo anders wesentlich günstiger.

Das beste Konzept nutzt aber nichts, wenn der Support bei Problemen effektiv nicht reagiert. Natürlich könnte mein Problem ein sehr komplizierter Einzelfall sein. Aber auch dann reicht es nicht aus, ein Update zu versprechen, auf das nach über zwei Monaten noch immer nicht erschienen ist.

Pro

  • Android Auto und Apple CarPlay sind ausgereifte Systeme
  • Wechsel zwischen Android Auto und Apple CarPlay möglich
  • drahtlose Verbindung wird schnell hergestellt

CarPlay und Android Auto sind beides sehr ausgereifte Systeme. Die Handhabung ist einfach und intuitiv, die Oberfläche schlicht und angenehm. Die Google Maps-Integration im Auto ist oft wirklich hilfreich und man ist immer “up to date”, ohne beim Fahren das Handy zu zücken.
Solange der U2-X mit dem Infotainment-System zusammenarbeitet, bietet der Dongle einen echten Mehrwert.

Außerdem ist der Ottocast U2-X der einzige Dongle, der sowohl mit Android Auto, als auch mit Car Play umgehen kann.

Contra

  • schlechter Support
  • Import aus Hong Kong

Ein großes Manko ist der schlechte Support von Ottocast. Dass Probleme auftreten können, ist ja kein Problem – solange sie behoben werden. Und genau das hat der Ottocast-Support in diesem Fall nicht geschafft.

Für europäische Kunden gibt es ein weiteres Problem: Ottocast ist ein junges Unternehmen und hat aktuell in Europa noch kein eigenes Vertriebsnetz aufgebaut. Alle Produkte – auch der U2-X – müssen aus Hong Kong importiert werden. Auf Anfrage wurde zwar bestätigt, dass ein Lager in Europa geplant ist. Wie lange die Umsetzung dauert, kann man aber noch nicht sagen.

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