Unabhängige Suchmaschinen – diese gibt es

Suchmaschinen im Internet gibt es wie Sand Meer – und der Markt ist sehr stark in Bewegung. Doch was viele nicht wissen: Die Ergebnisse stammen eigentlich nur von wenigen großen Anbietern.
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Wer (ironischerweise) nach Google-Alternativen googelt, bekommt sofort eine Reihe an vielversprechenden Konkurrenzprodukten vorgeschlagen. Diese geben oft an, irgendwie besser und sicherer zu sein als die Mitbewerber. Klar, das alles natürlich mit mehr Privatsphäre für den Nutzer. Doch vielfach trügt der Schein, oder zumindest würde man sich vermutlich mehr erwarten, als tatsächlich dahintersteckt.

Was ist eine Metasuchmaschine?

Wer erwartet, dass sich jede Suchmaschine selbst um die Ergebnisse kümmert, irrt. Denn mit Abstand die meisten Suchanbieter sind sogenannte “Meta-Suchmaschinen”. Diese Dienste greifen nicht auf eigene Resultate zurück, sondern beziehen die präsentierten Ergebnisse aus einer oder mehreren Quellen.
So handhabt es zum Beispiel Ecosia: Der Suchanbieter bezieht seine Suchergebnisse eigentlich von Bing und ändert teilweise die Gewichtung der Ergebnisse.

Dieses Konzept hat Vor- und Nachteile: Einerseits ist gewährleistet, dass auch eine neue Suchmaschine brauchbare Ergebnisse liefert. Eigene Datenquellen aufzubauen, dauert sehr lange und ist kostspielig. Nutzer erwarten aber natürlich sofort die passenden Ergebnisse und sehen sich nach Alternativen um, wenn die Qualität der Resultate nicht ausreicht.
Auch für den Datenschutz ist dieses Konzept nicht ganz uninteressant: Viele Meta-Suchmaschinen erstellen kein Profil ihrer Nutzer und geben nur die Suchanfragen selbst weiter – und nicht, wer sie wo von welchem Gerät aus gestellt hat.

Andererseits liegt weiterhin sehr viel Verantwortung bei den “big players”. Wie es ein Sprichwort so passend auf den Punkt bringt: “Was man auf Google nicht findet, existiert nicht.”
Anders formuliert: Wenn eine der großen Suchmaschinen eine Seite nicht listet, kann sie auch mit einer Meta-Suchmaschine nicht gefunden werden. Das gibt den großen Suchanbietern eine Menge Macht – und hinterlässt subjektiv einen faden Beigeschmack: Als Nutzer ist es wichtig, die Wahl zu haben. Aber wenn es nur so aussieht, hat man auch nichts gewonnen.

Alles eine Frage des Index

Die Unabhängigkeit einer Suchmaschine ist zumindest zu einem Teil an einen eigenen Index geknüpft. Doch was ist überhaupt ein Index?

Wenn du einen Suchbegriff ein eine Suchmaschine eingibst, durchforstet diese nicht in Echtzeit das Internet. Das würde nicht nur ewig lange dauern, sondern wäre auch sehr ressourcenintensiv. Stattdessen durchsucht die Suchmaschine einen sogenannten Index, der laufend erneuert und erweitert wird.
Das ist übrigens auch der Grund, warum es manchmal einige Tage (oder manchmal auch wesentlich länger) dauert, bis neue Inhalte mittels einer Suchmaschine gefunden werden können.

Einen Suchindex kannst du dir ungefähr vorstellen wie den Index eines Buches.
Viele Bücher – vor allem Sachbücher – haben einen Index. Das ist sozusagen ein Stichwortverzeichnis, mit dem man herausfindet, wo in einem Buch bestimmte Begriffe vorkommen.
Oder anders herum: Wer nach Informationen zu einem bestimmten Wort sucht, schaut am besten im Index nach, an welchen Stellen im Buch dieser Begriff vorkommt.
Entscheidend ist hierbei die Qualität des Index. Da nicht jedes einzelne Wort in diesem Index vorkommen kann, muss beim Erstellen darauf geachtet werden, dass alle relevanten Inhalte zu finden sind. Gleichzeitig darf aber nicht jedes einzelne “und”, “oder” usw. vorkommen, das würde die Suche unnötig lange und kompliziert gestalten.
So verhält es sich auch beim Index einer Suchmaschine. Es ist essentiell ein Verzeichnis, welche Informationen im Internet wo zu finden sind.

Foto eines Index aus einem Buch

Ein eigener Index alleine ist aber keine Garantie für Privatsphäre und eigenständige Ergebnisse. Einige Suchanbieter werben zwar mit einem eigenen Index, beziehen aber trotzdem große Teile der Ergebnisse aus fremden Indizes.

Warum haben nicht alle Suchmaschinen einen eigenen Index?

Einen eigenen Suchindex aufzubauen und zu erhalten ist nicht gerade einfach. Das Abrufen der Informationen (auch “crawling” genannt) ist ziemlich zeitintensiv und muss regelmäßig wiederholt werden. Außerdem müssen die Informationen irgendwo gespeichert werden – und zwar so, dass sie jederzeit schnell wieder abgerufen werden können.
Seitenbetreiber können einer Suchmaschine dabei helfen und liefern neben dem eigentlichen Seiteninhalt noch weitere Informationen wie zum Beispiel Stichwörter aus. Damit versteht sich Suchmaschine den gecrawlten Inhalt besser. Im Gegenzug bringt die Suchmaschine dem Seitenbetreiber mehr Besucher – im Idealfall eine Win-Win-Situation.

Es ist nicht nur das Erstellen eines Index kompliziert, sondern auch das Abrufen der Daten. Dadurch, dass das Internet mittlerweile so groß ist (und ein guter Index wesentliche Teile des Internet beinhaltet), müssen bei einer Suchanfrage extreme Datenmengen durchforstet werden. Da aber kein Nutzer einige Sekunden (oder Minuten) auf seine Suchergebnisse warten will, braucht es extrem leistungsstarke Infrastruktur.

Also kurz gefasst: Das Aufbauen, Erhalten und Benutzen eines großen Suchindex ist technisch, sowie wirtschaftlich sehr fordernd. Daher müssen die meisten Suchanbieter auf bestehende Indizes zurückgreifen.

Welche Suchmaschine hat einen eigenen Index?

Google
Dass der Suchgigant Google einen eigenen Index hat, sollte an diesem Punkt keinen mehr verwundern. Allerdings bietet Google eine Vielzahl von anderen Informationen, zum Beispiel Flüge oder Wetter, die vielen Konkurrenten fehlen.

Bing
Auch Microsoft betreibt für Bing einen eigenen Index. Sowohl in Puncto Privatsphäre, als auch im Funktionsumfang ist der Dienst vergleichbar mit Google. Allerdings hängt Bing der Ruf nach, dass “bedenkliche” Suchergebnisse oft nicht gefiltert werden.

Yandex
Yandex ist das russische Google-Pendant. Ursprünglich nur für den russischsprachigen Markt konzipiert, liefert Yandex nun Suchergebnisse in verschiedensten Sprachen. Suchen auf Deutsch liefern zwar Ergebnisse, aber bei weitem nicht so gute wie die Konkurrenz.

Qwant
Die Suchmaschine Quant mit Hauptsitz in Frankreich legt ihren Fokus auf Privatsphäre und Unabhängigkeit. Allerdings ist der eigene Index noch nicht zufriedenstellend ausgebaut, daher wird zum Teil auf Bing-Ergebnisse zurückgegriffen.

Mojeek
Mojeek ist eine kleine Suchmaschine mit Sitz in Großbritannien. Die Ergebnisse kommen aus dem (relativ kleinen) eigenen Index. Außerdem hat der Anbieter ein Feature namens “Infinity Search”, womit Ergebnisse von DuckDuckGo (also Bing) mit einbezogen werden. Diese Funktion ist standardmäßig aktiv.

Brave
Ähnlich wie Qwant ist Brave eine neuer, datenschutzbedachter Anbieter. Brave baut zwar seinen Index stark aus, greift aber nach wie vor auf Ergebnisse von Google, Bing und Mojeek zurück. Die Suchmaschine ist allerdings noch im Beta-Stadium. Manche Funktionen, wie zum Beispiel der “site:”-Parameter fehlen noch. Erwähnenswert: Brave zeigt an, welche Ergebnisse die Suchmaschine selbst ausspuckt und welche aus anderen Quellen stammen.

Exalead
Das Unternehmen Exalead bietet eine gleichnamige Suchmaschine an. Eigentlich liegt der Fokus der französischen Gruppe allerdings auf Software für Unternehmenskunden. Der Suchdienst nutzt ausschließlich den eigenen Index, die Ergebnisse fallen aber sowohl auf Deutsch, als auch auf Englisch sehr überschaubar aus. Realistisch betrachtet ist die Exalead-Suche weit weg von einer Google-Alternative.

Petal
Petal ist eine neue Suchmaschine von Huawei, die neben Web-Inhalten auch nach Apps suchen kann. Der eigene Index wird stetig erweitert, aktuell greift Huawei aber vielfach auf fremde Suchergebnisse zurück. Welche Partner für dieses Projekt gewählt wurden, ist nicht so einfach zu sagen. Online liest man von Quant und Yandex, aufgrund der Suchergebnisse sieht es aber so aus, als ob auch Google im Spiel wäre. Das ist an diesem Punkt aber reine Spekulation.

private.sh
Die Suchmaschine private.sh ist ein Produkt einer Partnerschaft von Gigablast und dem VPN-Provider “Private Internet Access”. Der Anbieter wirbt damit, dass mit dieser Partnerschaft die IP-Adressen und die Suchanfragen der Nutzer voneinander getrennt werden. “Private Internet Access” sieht nur die IP-Adresse, Gigablast nur die Suchanfrage. Die Suchergebnisse stammen aus dem Index von Gigablast. Ob Ergebnisse aus anderen Quellen auch bezogen werden, ist nicht ersichtlich.
Die Suchanbieter will seine Codebase übrigens offen zur Verfügung stellen. Bisher ist das aber noch nicht passiert.

Erwähnenswert ist außerdem das Open Source-Projekt “YaCy”. Die Peer-to-Peer-Suchmaschine geht einen anderen Weg und lässt Nutzer ihre eigenen Indizes erstellen und die Ergebnisse mit anderen teilen. Es gibt dabei keinen zentralen Suchindex. Nachdem eine Web-Suche sehr Ressourcenintensiv ist, lässt die Performance mit wachsendem Index mehr und mehr zu wünschen übrig.

Suchmaschinen im asiatischen Raum

Baidu und Sogu
Ähnlich wie Yandex sind auch Baidu und Sogu (von Tencent) nicht für den internationalen Markt konzipiert, sondern bedient vorrangig chinesische Nutzer. Außerhalb des asiatischen Raums haben die Suchanbieter kaum Bedeutung.

Naver
Der Suchdienst Naver stammt ursprünglich aus Südkorea, wird aber im gesamten asiatischen Raum genutzt. Speziell in Japan wird die Naver-Suche oft genutzt.

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