Digitaler Fußabdruck: Diese Daten hinterlassen wir täglich

Datenschutz ist ein großes Thema, das viele Menschen beschäftigt. Doch welche Daten wir jeden Tag hinterlassen, hinterfragen wesentlich weniger Leute. In diesem Artikel wollen wir dich dazu anregen, einen Schritt weiter zu denken und zu überlegen, wer welche Informationen über dein Leben hat und wofür diese Daten verwendet werden könnten.

Ein Tag im Leben von Günther Huber

Günther Huber – wer kennt ihn nicht. Der unauffällige, stets freundliche Nachbar, so normal, dass man ihn fast schon Max Mustermann nennen könnte. Er ist 23 Jahre alt, lebt in einer Vorstadt-Wohnung und hat einen ganz normalen Büro-Job.

Wie jeder von uns hinterlässt er jede Menge Spuren, die oft nicht mehr so leicht zu verwischen sind. Wie nachvollziehbar sein Leben in vielen verschiedenen Facetten ist, zeigt ein Blick auf seinen Tagesablauf.

Es ist 6 Uhr, der Wecker läutet. Günther muss pünktlich um 7 im Büro sein. Er steht auf und schaltet sein Handy ein.

06:02 – Günthers Smartphone bucht sich in das Mobilfunknetz ein.  Apps werden aktiv und verbinden sich mit dem Internet. Google, Facebook und Co. wissen: Günther ist munter.

Günther zieht sich an – dabei spielt das Wetter eine große Rolle. „Hey Alexa, brauche ich heute einen Regenschirm?“

06:07 – Alexa hört Günthers Stimme und weiß, dass er heute noch nach Draußen muss – vermutlich zur Arbeit, sonst wäre er nicht so früh auf den Beinen.

Frühstück hat Günther nicht mehr zu Hause, daher fährt er vor der Arbeit noch beim Bäcker vorbei. 

06:30 – Das Auto wird gestartet und überträgt Positionsdaten an den Autohersteller. Auch Google weiß, wo Günther gerade ist, er kann es später sogar in seinem Standortverlauf nachschlagen. Und auch sein Mobilfunkanbieter erkennt, dass sich das Handy bewegt – es hat sich mit anderen Funkmasten verbunden.

Günther hat kein Bargeld dabei und zahlt daher sein Frühstück mit seiner Bankomatkarte.

06:37 – Der Zahlungsdienstleister und Günthers Bank wissen: Herr Huber kauft gerade beim Bäcker ein – und zwar um 2,90 Euro. Man kann nur mutmaßen, aber Kaffee hat er um diesen Preis sicherlich keinen getrunken.

Die Fahrt in Richtung Büro geht weiter. Plötzlich beginnt es, zu stauen.

06:43 – Günther fährt langsamer als sonst. Sowohl das Auto, als auch sein Smartphone erkennen das. In Kombination mit Daten anderer Autofahrer ist erkennbar: Es gibt Stau.

Pünktlich um sieben kommt Günther ins Büro, es ist sich knapp ausgegangen. Sein Smartphone verbindet sich mit dem WLAN.

07:00 – Verbunden mit dem Büro-WLAN. Durch die begrenzte Reichweite des WLAN-Routers kann man sehr genau auf Günthers Standort schließen. Nachdem Günther schon seit zwei Jahren zur selben Zeit hierher kommt, kann man leicht auf ein Arbeitsverhältnis schließen. Und auch der Mobilfunker weiß, wo sich Günther tagsüber ungefähr aufhält.

Die Lohnverrechnung überweißt Günther sein Gehalt, in den nächsten Tagen sind die Rechnungen für Strom und Wasser zu zahlen.

11:32 – Es werden 2.203,65 Euro auf das Konto gutgeschrieben. Die Bank weiß, wie viel Geld Günther hat, was er sich leisten kann und in welchen Verhältnissen er lebt.

Am Abend geht Günther einkaufen – ein Paar Kleinigkeiten für die nächsten Tage. Auch hier wird mit der Karte gezahlt, doch vorher sammelt er noch digitale Treuepunkte.

17:36 – Die Vorteils-Karte wird über den Scanner gezogen. Es wird gespeichert, in welchem Supermarkt Günther ist und welche Produkte er gekauft hat. So kann sein Einkaufsverhalten analysiert werden.
Außerdem weiß Günthers Bank, wo er um wie viel Geld er eingekauft hat.

Am Abend setzt sich Günther vor seinen Computer und surft im Internet.

19:56 – Der PC wird gestartet. Natürlich bekommt Microsoft das auch mit. Beim Surfen werden die Daten über seinen Internetprovider übertragen. Dieser sieht zwar nicht, was Günther genau tut. Allerdings weiß er, mit welchen Servern kommuniziert wurde.
Durch eingebettete Like-Buttons weiß Facebook, auf welchen Seiten Günther surft, obwohl er Facebook gar nicht geöffnet hat. Auch Werbebanner übertragen still und heimlich Nutzerdaten.

Dann geht Günther ins Bett und hat – wie jeden Tag – überall Daten hinterlassen. Viele Dienste kennen nun einen Teil seines Tagesablaufes. Die Bank weiß über alles finanzielle Bescheid, Google und sein Mobilfunker wissen, wo er unterwegs war und mit wem er telefoniert hat. Was er im Internet gemacht hat, wissen mehrere Analysedienste, Werbenetzwerke und Social-Media-Seiten.

Das war natürlich nur ein kleiner Teil von möglichen „Datenspuren“. Denke einfach darüber nach, was du den ganzen Tag so machst und welche Spuren das hinterlassen könnte.

Was bringt diese Datensammlerei?

Richtig interessant wird es aber erst jetzt: Wem nützen diese Daten? Wer investiert so viele Ressourcen, nur um mehr über andere zu erfahren?

Würde man diese Daten nun alle kombinieren, könnte man sich ein sehr genaues Bild seines Tagesablaufes machen, ohne Günther je gekannt zu haben. Genau das versuchen momentan mehrere große Unternehmen. Das Ziel ist, alle Lebensbereiche abzudecken und so Daten aus vielen verschiedenen Sektoren zu analysieren.

Wer seine Produkte verkaufen möchte, muss zuerst den Kunden kennen. Je mehr über potentielle Einkäufer bekannt ist, umso effizienter kann man Werbeanzeigen schalten.
Jemand, der es gerne kühl hat, wird keine Anzeige für einen Ägypten-Urlaub anklicken. Und wer sich diese Reise nicht leisten kann, ist ebenfalls kein lohnender Kunde.

Aus diesem Grund bieten viele Online-Giganten ihre Dienste kostenlos an. Google beispielsweise macht einige Milliarden Dollar Umsatz nicht mit dem Verkauf von Drive-Speicherplatz, sondern primär mit dem Verkauf von personalisierter Werbung.
Das funktioniert, weil Google weiß, was wir wollen. Durch die Google-Suche, Analyse unserer Kommunikation mit Gmail, Überwachung des Standortes und Bezahl-Lösungen wie Google Pay und jede Menge anderer Dienste kann sich der Such-Gigant ein immer besseres Bild seiner Kunden – oder besser gesagt seiner Produkte zu machen.

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